Trotz globaler Unsicherheiten wie Handelsstreitigkeiten, geopolitischen Konflikten und anhaltender wirtschaftlicher Schwächephasen verzeichnet die Pharmabranche seit Jahren ein stetiges Wachstum. Treiber dieser Entwicklung sind medizinischer Fortschritt, eine alternde Bevölkerung und ein weltweit verbesserter Zugang zur Gesundheitsversorgung. Die Nachfrage nach innovativen Arzneimitteln und Impfstoffen wächst. Damit einher gehen massiv ansteigende Anforderungen an die Logistik, um die richtigen Pharmazeutika zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu transportieren. Spätestens die Covid-19-Pandemie und die damit verbundenen Versorgungsengpässe haben deutlich gemacht, wie systemkritisch stabile Lieferketten in der Arzneimittelindustrie sind. Mit einem Jahresumsatz von rund 67,8 Mrd. Euro im Jahr 2025 und einem Anteil von 22 Prozent am europäischen Gesamtmarkt ist Deutschland der größte Pharmamarkt Europas.
Entsprechend verzeichnet auch die Pharmalogistik steigende Umsätze: Das weltweite Marktvolumen wurde 2024 auf etwa 99,33 Milliarden US-Dollar geschätzt, mit einer jährlichen erwarteten Wachstumsrate von rund 8,5 Prozent zwischen 2025 und 2035. Zudem gehört sie zu den besonders energieintensiven Bereichen des Gesundheitssektors. Schon heute entstehen 79 Prozent der Gesamtemissionen der Gesundheitsbranche entlang der Lieferketten. Neben der Produktion entfällt ein Großteil der Treibhausgasemissionen auf die besonderen Anforderungen an Lagerung, Transport und das Kühlketten-Management.
Doch der hohe Energiebedarf der Pharmalogistik wird zunehmend zum wirtschaftlichen Risiko: Die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, hohe Energiepreise, volatile Strommärkte und neue europäische Berichtspflichten für Nachhaltigkeit verschärfen den Druck auf Margen sowie Nachhaltigkeitsanforderungen gleichermaßen. Damit wird ein Faktor deutlich wichtiger, der lange Nebenthema und vor allem großen Konzernen vorbehalten war: die Energiebeschaffung.
Kühlketten: unverzichtbar und energiehungrig
Wie groß die Bedeutung von Energie in der Praxis ist, zeigt sich besonders gut bei den (Tief-) Kühlketten, denn sie sind nicht nur besonders energieintensiv, sondern unabdingbar für Sicherheit, Qualität und die Einhaltung regulatorischer Vorschriften.
Loxxess, ein europaweit tätiger Kontraktlogistiker mit GDP- und GMP-zertifizierten Dienstleistungen für über 60 Kunden allein aus dem Gesundheitsmarkt, betreibt mehr als 20 Standorte für E‑Commerce, Pharma- und Healthcarelogistik, sowie Speziallösungen. Der Strombedarf ist hoch: rund 6,06 GWh pro Jahr, was grob dem Jahresbedarf von 1.500 Vier-Personen-Haushalten entspricht. Je nach Standort entfallen bis zu 65 Prozent des Strombedarfs auf die Kühlung, von kontrollierter Raumtemperatur bis zur Tiefkühlung. Maßnahmen wie der Bau einer Photovoltaik-Anlage, der Umstieg auf Wärmepumpen und LED-Technik reduzieren den Stromverbrauch und steigern die Energieeffizienz, stoßen aber an Grenzen, wenn steigende Preise den Verbrauchsrückgang überkompensieren. Die Strombeschaffung wird zu einem wichtigen Faktor.
Von der Kostenfalle zur strategischen Stärke
Die meisten mittelständischen Unternehmen setzen weiterhin auf klassische Festpreisverträge. Diese bieten zwar Planungssicherheit, sind aber oft mit Risikoaufschlägen verbunden, die Kunden auch dann zahlen, wenn günstigere Marktphasen verfügbar wären.
Für Loxxess hat Nachhaltigkeit schon seit vielen Jahren einen hohen Stellenwert als gruppenweites Transformationsprogramm. Das Unternehmen hat dabei die strategische Energiebeschaffung früh als einen Hebel erkannt und setzt gemeinsam mit dem Energieanbieter trawa auf ein hybrides Modell, das auf drei Elementen beruht:
- Hybrides Stromportfolio: Langfristige Lieferverträge mit Wind- und Solarparks (PPAs) werden mit Terminmarktmengen und flexiblen Spotmarktanteilen kombiniert – aktuell rund 50 Prozent Wind-PPA, 25 Prozent Terminmarkt, der Rest Spotmarkt.
- Vorausschauende Beschaffung: Kontinuierliche Marktbeobachtung ermöglicht es, günstige Zeitfenster gezielt zu nutzen – mit realistischen Einsparungen von über zehn Prozent der Stromkosten.
- Datenbasiertes Energiemanagement: Digitale Analyse und Verbrauchsdatenerfassung ermöglichen das Erkennen von Lastspitzen und die Optimierung des Stromeinkaufs.
Ökonomie und Nachhaltigkeit als Einheit
Die Ergebnisse sprechen für sich: Allein im vergangenen Jahr konnte LOXXESS durch die neue Beschaffungsstrategie rund 1.900 Tonnen CO₂ vermeiden. Gleichzeitig verbessert sich die Nachhaltigkeitsperformance – ein zunehmend entscheidender Faktor, da Kunden bei Ausschreibungen CO₂-Bilanzen und Transparenznachweise einfordern.
Der Ansatz zahlt sich aber nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich aus. Das Optimalportfolio aus PPAs, Terminmarkt und Spotmengen ermöglicht Kostensenkungen von bis zu 10 Prozent gegenüber vergleichbaren klassischen Festpreisverträgen. Hinzu kommt, dass durch vorausschauende Beschaffung – teils Jahre im Voraus – sich langfristig günstige Marktphasen gezielt nutzen lassen, was Kosten senkt und vor künftigen Preisschocks auf den Energiemärkten schützt.
Strategische Energiebeschaffung wird so zum Instrument, das Kostenkontrolle, regulatorische Anforderungen und Klimaziele miteinander verbindet. Was lange als reines Infrastrukturthema galt, entwickelt sich zum Differenzierungsmerkmal auch für Kontraktlogistiker, die bei anspruchsvollen Pharmaaufträgen einen zusätzlichen Wettbewerbsvorteil haben wollen. Unternehmen, die ihre Energiebeschaffung aktiv gestalten, verringern ihre Anfälligkeit gegenüber Markt- und Preisrisiken – und stärken gleichzeitig ihre Position in einem Markt, der Transparenz und Verantwortung zunehmend einfordert.
Autor David Budde: David Budde ist einer der Gründer und Geschäftsführer des Berliner Energieversorgers und Softwareunternehmens trawa. Dort verantwortet er primär den Aufbau der Marke und den Vertrieb.










