Im Operationssaal behalten Kardiotechniker*innen den Überblick, steuern die Herz-Lungen-Maschine und sind ein Bindeglied zwischen Medizin und Technik. Damit sind sie ein wichtiger Bestandteil des Behandlungsteams – und dennoch gibt es in Deutschland bislang nur zwei Ausbildungsstätten für den Beruf. Doch der Bedarf steigt, da die Zahl an Herz-Operationen weiter zunimmt. Deshalb will das Zentrum für Ergonomie und Medizintechnik am Fachbereich Physikingenieurwesen der FH Münster Abhilfe schaffen und ruft zum Wintersemester 2021/22 den Zertifikatskurs „Klinische Perfusion / Kardiotechnik“ ins Leben. Anmeldungen sind seit Juni möglich.

„Vor zwei Jahren hat uns Jörg Optenhöfel vorgeschlagen, den Zertifikatskurs zu planen.“

– Maximilian Kehmann vom Zentrum für Ergonomie und Medizintechnik

Optenhöfel lehrt Kardiotechnik im Masterstudiengang am Fachbereich Physikingenieurwesen und ist Chefkardiotechniker an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Bisher werden vergleichbare Kurse nur in Berlin oder Furtwangen angeboten – die FH Münster kann so in NRW eine Lücke schließen. Nach einer Zertifizierung durch das European Board of Cardiovascular Perfusion steht dem Start des Kurses nun nichts mehr im Wege. Die Teilnehmer*innen werden darin unter anderem über Herzchirurgie, Anästhesiologie, Pharmakologie, Gefäßchirurgie oder Mikrobiologie unterrichtet. Die Seminare werden von Ärzt*innen und Fachkräften aus dem Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen, dem Universitätsklinikum Münster und der Medizinischen Hochschule Hannover geleitet.

Der Zertifikatskurs umfasst vier Semester, die gleichermaßen eine praktische Ausbildung in einer Klinik sowie die Theorie an der Hochschule umfassen. Drei Semester davon werden in Blockseminaren gelehrt, das vierte Semester beinhaltet ein Repetitorium und eine Abschlussprüfung. „Am Ende müssen die Teilnehmenden außerdem 100 Eingriffe vorweisen können, die sie an einer Herz-Lungen-Maschine durchgeführt haben“, erklärt Kehmann.