Das Wissenschafts- und Technologieunternehmen Merck hat gemeinsam mit dem manager magazin in Darmstadt Emmanuelle Charpentier (51), Gründungsdirektorin der Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene in Berlin, in die „Hall of Fame der deutschen Forschung“ berufen. Außerdem haben die Veranstalter heute die Curious-Mind-Forscherpreise verliehen. Der Informatiker Siegfried Rasthofer (32) erhielt den mit 7.500 € dotierten Preis in der Kategorie „Digitalisierung & Robotik“. Der Ingenieurwissenschaftler Björn Eskofier (40) wurde ebenfalls mit 7.500 € für seine Arbeiten in der Kategorie „Life Science” ausgezeichnet.

„Wir können uns mit der Hall of Fame der Deutschen Forschung glücklich schätzen, die nun mit einer designierten Nobelpreisträgerin einen prominenten Neuzugang gewinnt“, übermittelte Angela Merkel, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, in einer Videobotschaft. „Dass der Forschungsstandort Deutschland über hervorragende Rahmenbedingungen für Spitzenforschung verfügt, verdeutlicht auch der Curious-Mind-Forscherpreis“, fuhr sie fort und gratulierte den Preisträgern.

„Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler leisten Herausragendes – gerade auch hier in Deutschland. Das wird nicht nur im Kampf gegen Covid-19 deutlich. Sie schaffen mit Leidenschaft und Beharrlichkeit die Voraussetzung für gesellschaftlichen Fortschritt. Und wir freuen uns, heute gemeinsam beides zu würdigen: die exzellenten Leistungen von erfahrenen sowie von jungen Forscherinnen und Forschern“, sagte Stefan Oschmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Merck, bei der virtuellen Preisverleihung heute in Darmstadt.

Emmanuelle Charpentier hat sich während ihrer wissenschaftlichen Laufbahn auf das Verständnis grundlegender Mechanismen von Krankheiten konzentriert, mit besonderem Schwerpunkt auf Infektionen, die durch grampositive bakterielle Krankheitserreger wie Listerien, Staphylokokken und Streptokokken verursacht werden. Charpentier wurde dafür bereits mehrfach national wie international ausgezeichnet, darunter die Alexander-von-Humboldt-Professur, der Leibniz Preis, die Otto-Warburg-Medaille, der Orden Pour le mérite der Wissenschaften und Künste sowie u.a. der französische Ordre nationale de mérite, der Kavli-Prize, sowie vor wenigen Tagen erst der Nobelpreis der Chemie.

Siegfried Rasthofer will mit seiner Arbeit helfen, Cyber-Angriffe auf Unternehmen einzudämmen bzw. zu verhindern. Hierzu forschte er auf dem Gebiet der automatischen Schwachstellenerkennung in Software und Malware-Analyse. Derzeit arbeitet der Informatiker beim Rückversicherer Munich Re in München, davor war er am Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie in Darmstadt forschend tätig. Von Rasthofer entwickelte Algorithmen spüren IT-Schwachstellen auf und machen den digitalen Datenverkehr sicherer.

Björn Eskofier forscht derzeit im Rahmen einer Heisenberg-Stiftungsprofessur an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg an digitaler Medizintechnik. Er setzt etwa maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz in Mikrosystemen ein, um durch permanente Analyse des Gehverhaltens die Medikamenten-Dosierung bei Parkinson-Kranken individuell und zeitlich anzupassen. Das mindert deutlich die Nebenwirkungen und verhindert zugleich Stürze mit gefährlichen Verletzungen in der Folge.

Die Forschung der drei Wissenschaftler wurde in Darmstadt virtuell vor zahlreichen Teilnehmern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft ausgezeichnet. Mit der „Hall of Fame der deutschen Forschung“ würdigt das manager magazin seit 2009 außergewöhnliche Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Forschung, die einen herausragenden Beitrag zur Weiterentwicklung der Forschung in Deutschland leisten und zugleich den Wirtschaftsstandort zukunftsfähiger gemacht haben. Unter den Mitgliedern sind z. B. Harald zur Hausen, Medizin-Nobelpreisträger im Jahr 2008, Stefan Hell, Chemie-Nobelpreisträger des Jahres 2014, Karlheinz Brandenburg, Entwickler des Datenkompressionsverfahrens mp3 und auch der ehemalige Merck-Forscher auf dem Gebiet der Flüssigkristalle, Ludwig Pohl.

Über die Preisvergabe entscheidet eine hochkarätig besetzte Jury aus Vertretern der innovativsten und wichtigsten Branchen der deutschen Industrie. Die Preiskategorien wechseln sich jährlich ab: 2018 waren es „Life Science“ sowie „Digitalisierung & Robotik“, 2019 dann „Materialien & Wirkstoffe“ sowie „Mobilität & Energie“ und in diesem Jahr erneut die beiden Kategorien aus dem Jahr 2018.