Fortschritt in der Kühltherapie

Ver­letz­te oder ope­rier­te Kör­per­stel­len zu küh­len, hat einen schmerz­lin­dern­den Effekt und beugt Schwel­lun­gen vor. Klas­si­sche Kühl­me­tho­den wie Käl­te­kom­pres­sen oder Eis­beu­tel küh­len jedoch nur kurz, kön­nen ein Risi­ko von Gewe­be­schä­den durch loka­le Erfrie­run­gen ber­gen und sind bei Bewe­gun­gen oft hin­der­lich. Wis­sen­schaft­ler des Natur­wis­sen­schaft­li­chen und Medi­zi­ni­schen Insti­tuts (NMI) an der Uni­ver­si­tät Tübin­gen ent­wi­ckeln des­halb eine mobi­le Ban­da­ge mit lang­an­hal­ten­der Kühl­wir­kung. Ein ers­tes Anschau­ungs­ob­jekt exis­tiert bereits. Um dar­aus mit­hil­fe einer Fir­men­aus­grün­dung ein fer­ti­ges Medi­zin­pro­dukt zu ent­wi­ckeln, erhält das For­scher­team ab sofort finan­zi­el­le Unter­stüt­zung aus der Bun­des­för­de­rung Exist. „Mit der 24-mona­ti­gen För­de­rung kön­nen wir nun ein hin­sicht­lich Phy­sio­lo­gie und Anwen­der­nut­zen opti­ma­les Kühl­the­ra­pie­pro­dukt ent­wi­ckeln und eine Fir­men­aus­grün­dung aus dem NMI vor­be­rei­ten“, freut sich Dr. Mar­tin Stelz­le vom NMI.

Mit­hil­fe der För­de­rung sol­len zukunfts­re­le­van­te For­schungs­er­geb­nis­se aus der aka­de­mi­schen For­schung in die Anwen­dung über­führt und Grün­dungs­vor­ha­ben unter­stützt wer­den. Exist ist ein För­der­pro­gramm des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Wirt­schaft und Ener­gie und wird durch den Euro­päi­schen Sozi­al­fonds (ESF) kofi­nan­ziert. Für das Mol­li-Cool-Team des außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­in­sti­tuts NMI bedeu­tet der Zuwen­dungs­be­scheid, nun inten­siv an der Ent­wick­lung von Pro­to­ty­pen arbei­ten zu kön­nen. Nach Abschluss der For­schungs­pha­se soll ein neu zu grün­den­des Unter­neh­men die Kühl­ban­da­ge auf den Markt brin­gen.

Als fle­xi­ble Ban­da­ge kon­zi­piert, soll Mol­li-Cool an unter­schied­li­chen Kör­per­stel­len rutsch­fest ange­bracht wer­den. Dadurch ent­fällt das manu­el­le Fixie­ren, wie es zum Bei­spiel bei Cool­packs nötig ist. Die Käl­te der Ban­da­ge sorgt dafür, dass sich Blut­ge­fä­ße ver­en­gen, der Stoff­wech­sel ver­lang­samt und Ent­zün­dungs­pro­zes­se gedämpft wer­den. Das redu­ziert Schwel­lun­gen und lin­dert das Emp­fin­den von Juck­reiz und Schmer­zen.

Anwendungsmöglichkeiten in der Medizin

Kom­mer­zi­ell ver­füg­ba­re Kühl­the­ra­pi­en nut­zen der­zeit noch Gefrier­packs, die auf­grund der an sich viel zu nied­ri­gen Tem­pe­ra­tur das Risi­ko von Hei­lungs­ver­zö­ge­run­gen und Gewe­be­schä­den ber­gen, oder sta­tio­nä­re Gerä­te, die zwar eine opti­ma­le Tem­pe­ra­tur­ein­stel­lung ermög­li­chen, aber nicht außer­halb von Kran­ken­haus oder Arzt­pra­xis ein­setz­bar sind.

Bei­den Nach­tei­len begeg­net Mol­li-Cool mit­tels einer Tech­no­lo­gie, die für den Kör­per eine opti­ma­le Kühl­tem­pe­ra­tur bie­tet und zugleich Mobi­li­tät ermög­li­chen soll. Ein­satz­mög­lich­kei­ten erwar­ten die For­scher unter ande­rem in der Sport­me­di­zin, der Ortho­pä­die, der Rheu­ma­to­lo­gie sowie der Vete­ri­när­me­di­zin, wo es der­zeit noch kei­ne ver­gleich­ba­ren Lösun­gen gibt.