Merck und Pfizer reichen Zulassungsantrag ein

Merck und Pfizer haben heute den Abschluss der Einreichung eines ergänzenden Zulassungsantrags (supplemental Biologics License Application, sBLA) bei der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) für Bavencio (Avelumab) für die Erstlinien-Erhaltungstherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom (UC) bekannt gegeben. Mit der sogenannten Breakthrough Therapy Designation (BTD) hatte die FDA Bavencio in dieser Indikation den Status einer bahnbrechenden Therapie erteilt. Der ergänzende Zulassungsantrag wird von der FDA im Rahmen ihres Pilotprogramms Real-Time Oncology Review (RTOR) geprüft.

Die Einreichung zur Zulassung basiert auf positiven Ergebnissen einer Zwischenauswertung der Phase-III-Studie Javelin Bladder 100, die ihren primären Endpunkt des Gesamtüberlebens (OS) erreichte. In der Studie erzielte Bavencio plus bestmögliche Begleitbehandlung (Best Supportive Care, BSC) als Erstlinien-Erhaltungstherapie im Vergleich zu alleiniger BSC ein signifikant längeres Überleben bei zuvor unbehandelten Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem UC, deren Erkrankung unter Induktionschemotherapie nicht fortgeschritten war. Eine statistisch signifikante Verbesserung wurde in beiden co-primären Populationen nachgewiesen, das heißt bei allen randomisierten Patienten sowie bei Patienten mit PD-L1-positiven Tumoren.

Das Sicherheitsprofil von Bavencio in dieser Studie deckte sich mit dem, das im klinischen Entwicklungsprogramm Javelin zu Bavencio als Monotherapie beobachtet wurde. Detaillierte Ergebnisse der Studie Javelin Bladder 100 werden auf einem kommenden Medizinkongress vorgestellt.
„Bavencio ist die erste Immuntherapie, die eine statistisch signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens in einer klinischen Phase-III-Studie als Erstlinientherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom gezeigt hat“, sagte Dr. Chris Boshoff, Chief Development Officer, Onkologie, für die globale Produktentwicklung von Pfizer. „Die Aufnahme in das RTOR-Programm gepaart mit der BTD-Einstufung spiegelt den potenziellen Nutzen von Bavencio in dieser Patientenpopulation wider und ermöglicht uns, auf eine möglichst schnelle Bereitstellung dieser Behandlungsoption für betroffene Patienten hinzuarbeiten.“

Ziel des RTOR-Programms ist die Gestaltung eines effizienteren Prüfprozesses, um sichere und wirksame Therapien Patienten schneller zur Verfügung stellen zu können. Hierzu gehören auch Arzneimittel, für die es als wahrscheinlich gilt, dass sie aktuell verfügbaren Therapien deutlich überlegen sind. Das Programm ermöglicht der FDA, klinische Studiendaten bestimmter Anträge zu sichten, noch bevor der vollständige Antrag formal eingereicht ist. Eine Prüfung im Rahmen dieses Programm stellt weder eine Garantie für die Zulassungsfähigkeit der beantragten Prüfsubstanz dar, noch nimmt sie in irgendeiner Weiser darauf Einfluss.

Mit ihrem BTD-Programm will die FDA die Entwicklung und Prüfung von Arzneimitteln für schwerwiegende oder lebensbedrohliche Erkrankungen beschleunigen, wenn die neue Behandlung eine erhebliche Verbesserung gegenüber vorhandenen Therapien darstellen könnte. Um den Status der „Breakthrough Therapy“ zu erhalten, müssen erste klinische Beweise den Hinweis erbringen, dass das Arzneimittel eine signifikante Verbesserung im Vergleich zu verfügbaren Therapieoptionen bezüglich eines klinisch signifikanten Endpunktes erzielen könnte.
„Angesichts der schlechten Prognose für Patienten mit fortgeschrittenem Urothelkarzinom besteht ein hoher Bedarf an zusätzlichen Therapieoptionen, die das Gesamtüberleben verbessern“, sagte Luciano Rossetti, Leiter der globalen Forschung und Entwicklung im Biopharma-Geschäft von Merck. „Unsere Daten untermauern das Potenzial des Ansatzes der Erstlinien-Erhaltungstherapie mit Bavencio, um den aktuellen Behandlungsstandard für zuvor unbehandelte Patienten zu verbessern. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dieses Behandlungsschema Patienten bereitstellen zu können.”

„Seit etwa 30 Jahren ist die Chemotherapie der Standard für die Erstlinienbehandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Urothelkarzinom und stellt für viele Patienten eine effektive Kurzzeitbehandlung dar. Bei den meisten Patienten schreitet die Erkrankung aber letztendlich fort, was den Bedarf an zusätzlichen Behandlungsoptionen deutlich macht,” sagte Dr. Petros Grivas, einer der leitenden Prüfärzte der Studie Javelin Bladder 100. „Aufgrund der positiven Ergebnisse beim Gesamtüberleben der Studie Javelin Bladder 100 sehe ich in Avelumab das Potenzial, einen Paradigmenwechsel bei der Behandlung herbeizuführen.”
Im Jahr 2017 wurde Bavencio von der FDA zur Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem UC zugelassen, deren Tumorerkrankung unter oder nach platinhaltiger Chemotherapie bzw. innerhalb von 12 Monaten nach neoadjuvanter oder adjuvanter Behandlung mit einer platinhaltigen Chemotherapie fortgeschritten war. Diese Indikation ist im Rahmen der beschleunigten Zulassung auf Basis des Tumoransprechens und der Ansprechdauer zugelassen. Javelin Bladder 100 ist die erforderliche konfirmatorische Studie für die Umwandlung in eine uneingeschränkte Zulassung.