Um die Corona-Pandemie zu beenden, müssen die neu entwickelten Impfstoffe unverzüglich und sicher in die Welt geliefert werden. Doch die extreme Fragilität der mRNA-Impfstoffe stellt hohe logistische Anforderungen: Die bisher entwickelten Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna erfordern eine besonders niedrige Temperatur bei Lagerung und Transport und somit die strikte Einhaltung der Kühlkette. Das macht die Logistik kompliziert und die Corona-Impfung zur größten jemals durchgeführten humanitären Aktion.

Die Kühlkette für die neu verfügbaren Corona-Impfstoffe muss schnell aufgebaut werden, damit diese schnell und sicher verteilt werden können. Regierungen aller Länder, auch die deutsche, bauen in rasender Geschwindigkeit ihre Impfprogramme aus. B Medical Systems (BMS) berät derzeit die EU bei der Erstellung einer Readiness Checklist, mit der die Mitgliedsstaaten prüfen können, ob ihre Impfprogramme bereit sind für den sicheren Transport der Covid-19 Impfstoffe. Bayern, Luxemburg und die Stadt Philadelphia haben so bereits mit der Vorbereitung der Kühlkette begonnen.

Einen unverzichtbaren Teil der Kühlkette bilden Ultratiefkühlgeräte. Hier explodiert gerade die Nachfrage. Die entwickelten Ultratiefkühlgeräte decken den Temperaturbereich von -20°C bis -86°C ab und sind damit ideal für die Kühlung der Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna geeignet. Es wird außerdem ein weiteres Modell angeboten, das den Temperaturbereich von 8°C bis -20°C abdeckt und sich daher sowohl für die Aufbewahrung des Moderna Impfstoffs als auch für den Impfstoff von Oxford/Astrazeneca eignet.

„In normalen Zeiten liefern wir 2.000-3.000 Einheiten pro Land“, sagt Luc Provost, CEO von BMS. „Aktuell erwarten wir eine fünf- bis siebenfach höhere Nachfrage auf mindestens 15.000 Geräte pro Land. Aus Ländern mit größerer Bevölkerung, wie etwa Indien, erreichen uns momentan sogar Aufträge im sechsstelligen Bereich.“

Die Kühlkette besteht aus verschiedenen Abschnitten, die von verschiedenen Akteuren betrieben werden. Das Problem dabei ist, dass alle Glieder der Lieferkette für die erfolgreiche Verteilung der riesigen Mengen an Impfstoffen unerlässlich sind. Je mehr Glieder es gibt, desto höher wird der Koordinationsaufwand. Der momentane Plan sieht für Deutschland vor, dass in den Bundesländern Zwischenlager entstehen, in denen die Impfstoffe aufbewahrt werden. Für den Weg dorthin ist der Bund zuständig. Von den Lagern gehen die Impfdosen weiter an die Impfzentren. Für diesen Teil der Transportkette sind die Länder zuständig.

Wird die Logistik bei der Verteilung innerhalb Deutschlands, einschließlich der Lagerung und der letzten Meile zum Patienten, nicht gut durchdacht und koordiniert, drohen negative Folgen für die Bekämpfung der Pandemie. „Unterbrechungen der Kühlkette machen die Impfstoffe unbrauchbar“, sagt Provost. „Das wäre sehr schlecht, angesichts der Knappheit der Impfstoffe. Und Fehler bei der Logistik können beispielsweise für einen Stau der Impfdosen sorgen. Beides verlangsamt das Impfprogram.“

Für die Koordination der Kühl- und Logistikkette ist demnach ein zentralisiertes Logistik-Informationsmanagementsystems empfehlenswert. Damit lässt sich in Echtzeit der Überblick über die Lagerung von Impfstoffen, den Bedarf und die Bestellungen behalten. Das ermöglicht eine hocheffiziente Lieferkette. Wenn diese nicht vorhanden ist, könnte es zu kostspieligen Impfstoffverlusten und Staus kommen, was wiederum die Impfungen verlangsamt.

Die Erfahrung von BMS zeigt, dass Impfstoffe insbesondere in zwei Bereichen unbrauchbar werden: Beim Transport innerhalb eines Landes und kurz vor der Impfung. Die meisten tragbaren Impfstoffbehälter und Kühlbehälter können die Kühlung nicht länger als 12 Stunden gewährleisten, besonders wenn es draußen heiß ist. Der Transport über die letzte Meile zu dem Ort, an dem die Impfung stattfindet – zum Beispiel zu Bewohnern von Pflegeheimen, ist allerdings zeitaufwändig.

„Nie zuvor standen wir vor einer solchen Mammutaufgabe“, sagt Provost. „Die Staaten müssen die Covid-19-Impfstoffe jetzt so schnell wie möglich an ihre Bevölkerung verteilen. Dafür muss allerdings zunächst die Kühlkette stehen. Die Readiness Checklist, bei der wir momentan die EU beraten, sollte dazu einen wichtigen Beitrag leisten.“