Wo bis vor Kur­zem noch Pro­zes­se und Tech­ni­ken sepa­rat betrach­tet wur­den, steht auf der Han­no­ver Mes­se 2020 eine ganz­heit­li­che Dar­stel­lung von Abläu­fen und Lösun­gen im Vor­der­grund. „In Zei­ten von Indus­trie 4.0 geht es um die fle­xi­ble Fer­ti­gung, eigen­stän­dig mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren­de Maschi­nen und Sys­te­me sowie den auto­no­men Aus­tausch von Pro­zess­in­for­ma­tio­nen. Essen­ti­el­ler Bestand­teil dafür ist die Soft­ware, die die­se Pro­zes­se abbil­det. Auf der Han­no­ver Mes­se wer­den im stark wach­sen­den Aus­stel­lungs­be­reich Digi­tal Eco­sys­tems alle rele­van­ten The­men­be­rei­che abge­bil­det“, sagt Huber­tus von Mons­chaw, Glo­bal Direc­tor Digi­tal Eco­sys­tems bei der Deut­schen Mes­se AG.

Zu den füh­ren­den Her­stel­lern zäh­len erneut Unter­neh­men wie Auto­desk , Atos, Ama­zon Web Ser­vices, Cis­co, Das­s­ault, Eplan, Hua­wei, Kas­pers­ky, MPDV, Micro­soft, PSI, SAP, Sie­mens PLM, die Soft­ware AG oder die Tele­kom. Neu­aus­stel­ler mit einem eige­nen Stand sind unter ande­rem Unter­neh­men wie Goog­le, pro­Al­pha, McA­fee oder Knapp. Sie prä­sen­tie­ren The­men wie Pre­dic­tive Main­ten­an­ce, Machi­ne Lear­ning, MES (Manu­fac­tu­ring Exe­cu­ti­on Sys­tem), Logistics (WMS und TMS), Data Ana­ly­tics, CAD (Com­pu­ter-aided Design), PLM (Pro­duct Lifecy­cle Manage­ment), Busi­ness­platt­for­men, ERP (Enter­pri­se Resour­ce Plan­ning) für die Echt­zeit­über­wa­chung, Vir­tu­al Reality/Augmented Rea­li­ty oder Indus­tri­al Secu­ri­ty.

2019 inter­es­sier­ten sich mehr als 100 000 Besu­cher der Han­no­ver Mes­se für die­se The­men, die auf­grund der zuge­hö­ri­gen Anwen­dun­gen und Tech­no­lo­gi­en immer mehr ver­schmel­zen. Dazu zäh­len zum Bei­spiel MES, Data Ana­ly­tics und Logis­tik. Ein Manu­fac­tu­ring Exe­cu­ti­on Sys­tem (auch Pro­duk­ti­ons­leit­sys­tem genannt) kann nur dann zuver­läs­sig arbei­ten, wenn sein künf­ti­ges Ver­hal­ten mit­hil­fe geeig­ne­ter Data-Ana­ly­tics-Metho­den vor­aus­schau­end bewer­tet und beur­teilt wird, um dann immer wie­der ein­grei­fen zu kön­nen, wenn es um Ver­bes­se­run­gen und Kon­trol­le bei der Pro­zess­steue­rung geht. Dazu erklärt von Mons­chaw: „Bei den aktu­el­len MES-Sys­te­men geht es nicht nur um die Feh­ler­ana­ly­sen der ein­zel­nen Maschi­nen, son­dern auch um die Daten­ag­gre­ga­ti­on, aus der sich neue Geschäfts­mo­del­le ablei­ten oder ein­fach nur Opti­mie­rungs­po­ten­zia­le ermit­teln las­sen.“

Das Ver­schmel­zen der ein­zel­nen Dis­zi­pli­nen lässt sich auch sehr gut anhand der Bei­spie­le CAD, PLM und Busi­ness­platt­for­men erläu­tern. Denn dort, wo noch vor eini­gen Jah­ren Unter­neh­men wie Auto­CAD rein auf die digi­ta­le Abbil­dung eines Werk­stücks oder Maschi­nen­teils fokus­siert waren, bil­den heu­te Fir­men wie Das­s­ault Sys­tè­mes mit ihren Soft­ware-Platt­for­men die kom­plet­te Wert­schöp­fungs­ket­te ab: von der Kon­struk­ti­on über die Bau­teil­be­schaf­fung bis hin zur Qua­li­täts­kon­trol­le. Auch exter­ne Zulie­fe­rer und Geschäfts­part­ner wer­den in die­se Form der Kol­la­bo­ra­ti­on ein­ge­bun­den. „Wir sind ja kein CAD- oder PLM-Anbie­ter“, sagt Anne­gret Cox, Direc­tor Mar­ke­ting Euro­Cen­tral, Das­s­ault Sys­tè­mes . „Wir bil­den viel­mehr den kom­plet­ten Pro­dukt­ent­wick­lungs­pro­zess ab. Dazu gehö­ren die ers­ten Ide­en genau­so wie die Pro­duk­ti­ons­vor­be­rei­tun­gen und der Ver­kauf des Pro­duk­tes, und das alles auf einer ein­zi­gen Platt­form.“

Inter­es­sant ist auch der Bereich ERP (Enter­pri­se Resour­ce Plan­ning), wo mit­hil­fe geeig­ne­ter Bei­spie­le und Use Cases demons­triert wird, wie Maschi­nen­bau­er und ande­re Unter­neh­men ein Tool ein­set­zen kön­nen, das ursprüng­lich zu ganz ande­ren Zwe­cken kon­zi­piert wur­de. So nimmt der Bereich des Pre­dic­tive ERP künf­tig einen immer grö­ße­ren Raum ein. Damit las­sen sich Vor­her­sa­gen zu mög­li­chen Ereig­nis­sen und not­wen­di­gen Maß­nah­men tref­fen. Und mit den dazu pas­sen­den Ana­ly­tics-Pro­gno­se­mo­del­len las­sen sich Ent­schei­dun­gen tref­fen, und zwar durch die Simu­la­ti­on von Sze­na­ri­en, in denen auch kom­ple­xe Ein­flüs­se berück­sich­tigt wer­den kön­nen.

Vir­tu­al Rea­li­ty und Aug­men­ted Rea­li­ty wer­den immer häu­fi­ger im indus­tri­el­len Umfeld ange­wandt. Zum Bei­spiel beim Design von Trieb­wer­ken. Brauch­ten Inge­nieu­re zuvor Tage, um die Para­me­ter eines Ent­wur­fes durch­zu­rech­nen, lie­fert ein Algo­rith­mus im glei­chen Zeit­raum heu­te 2 000 Designs. Anschlie­ßend kön­nen 3D-Model­le in einem Vir­tu­al-Rea­li­ty-Labor bis zur letz­ten Schrau­be aus­ein­an­der­ge­nom­men, ver­mes­sen und zusam­men­ge­setzt wer­den.

In Zei­ten von Emo­tet und Co. gewinnt der Aus­stel­lungs­be­reich Indus­tri­al Secu­ri­ty immer mehr an Bedeu­tung. Gera­de im indus­tri­el­len Umfeld, wo die Ver­net­zung der Gerä­te und Fer­ti­gungs­ma­schi­nen mas­siv zuge­nom­men hat und wei­ter zunimmt, ist die poten­zi­el­le Gefahr eines digi­ta­len Angriffs per­ma­nent vor­han­den. So zei­gen regel­mä­ßig geziel­te Angrif­fe auf Fir­men und Behör­den, dass vor die­ser Gefahr im Grun­de nie­mand gefeit ist. Auf der Han­no­ver Mes­se wer­den Lösun­gen prä­sen­tiert, um sich best­mög­lich vor Hackern zu schüt­zen.