Nun digitalisieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA zusammen mit dem Stuttgarter Software-Anbieter iFAKT die Wertstromanalyse. Dadurch soll diese bewährte Optimierungsmethode in Zukunft mit deutlich geringerem Aufwand und nahezu in Echtzeit durchführbar sein.

Die Wertstromanalyse läuft seit über 40 Jahren immer gleich ab: Ein externer Dienstleister oder eine interne Planungsingenieurin geht mit Notizblock und Stoppuhr sämtliche Stationen der Produktion ab, befragt Mitarbeitende und misst, wie lange welcher Arbeitsschritt dauert. Aus diesen Notizen entsteht dann von Hand eine Gesamtübersicht, die jeden einzelnen Produktionsprozess auf einem DIN-A3-Blatt darstellt. Denn erst wenn der Ist-Zustand der Produktion bis ins Detail bekannt ist, offenbart sich, an welchen Stellen die Prozesse optimiert werden können.

Das Sammeln der Daten und das Anfertigen der Gesamtübersicht könnten schon bald sehr viel weniger Zeit verschlingen. Denn in Zukunft soll eine Software sämtliche Produktionsdaten automatisiert und nahezu in Echtzeit aus dem Enterprise-Resource-Planning-System (ERP-System) und anderen verfügbaren Datenquellen abfragen und übersichtlich darstellen. Produzierende Unternehmen, die bisher meist allenfalls einmal jährlich eine Wertstromanalyse durchgeführt haben, könnten so schneller auf Änderungen im Produktionssystem eingehen. Denn dieses wandelt sich im Verlauf eines Jahres oft mehrfach: neue Produkte werden gefertigt, dafür andere Rohstoffe als bisher verarbeitet und vielleicht zusätzliche Maschinen angeschafft.

Software könnte künftig auch Gestaltungsregeln anwenden

»Es bleibt aber erstmal Aufgabe eines professionellen Produktionsplaners, die Wertstromanalyse zu interpretieren und die acht gängigen Gestaltungsregeln auf sie anzuwenden.«

– Markus Böhm von der Abteilung Fabrikplanung und Produktionsmanagement