Immu­n­on­ko­lo­gi­sche The­ra­pi­en behan­deln Tumor­er­kran­kun­gen mit einer indi­vi­du­el­len Unter­stüt­zung des Immun­sys­tems der Pati­en­ten. Auf dem Gebiet der immu­no­lo­gi­schen Dia­gnos­tik forscht und ent­wi­ckelt das Immu­n­on­ko­lo­gi­sche Zen­trum Köln neue Metho­den zur Krebs­be­hand­lung. Für die ste­ri­le Pro­duk­ti­on der Impf­stof­fe wur­de in Köln ein 100 qm GMP-Rein­raum­la­bor instal­liert. Das Immu­n­on­ko­lo­gi­sche Zen­trum Köln (IOZK) beschäf­tigt bereits seit 1985 Ärz­te und Natur­wis­sen­schaft­ler, die die Rol­le des Immun­sys­tems bei Krebs erfor­schen. Die dar­aus ent­wi­ckel­ten onko­lo­gi­schen Immun­the­ra­pi­en zie­len dar­auf ab, das kör­per­ei­ge­ne Abwehr­sys­tem bei der Besei­ti­gung von Krebs­zel­len zu unter­stüt­zen.

Tobi­as Geef, der Lei­ter Ein­kauf und Tech­nik beim IOZK, ver­sucht, die kom­ple­xen Pro­zes­se der The­ra­pie in ein­fa­chen Wor­ten zu erklä­ren: „Wir nut­zen in unse­rer For­schung die bio­lo­gi­schen Grund­la­gen der Immu­no­lo­gie und ent­wi­ckeln Impf­stof­fe, die die Abwehr­zel­len des Kör­pers für die Krebs­be­kämp­fung akti­vie­ren. Das Immun­sys­tem wird durch unse­ren Impf­stoff ziel­ge­nau auf die Tumo­ran­ti­ge­ne des eige­nen Tumors gerich­tet, um die­sen anzu­grei­fen. Die The­ra­pie soll das Immun­sys­tem in die Lage ver­set­zen, selbst aktiv zu wer­den und die Krank­heit aus eige­ner Kraft zu bekämp­fen. Im Ide­al­fall wird der Tumor so ohne Neben­wir­kun­gen voll­stän­dig und nach­hal­tig durch die kör­per­ei­ge­nen Abwehr­kräf­te ent­fernt“

Entwicklung von Impfstoffen zur Krebsbekämfung

In der Kom­bi­na­ti­on mit onko­ly­ti­schen Viren, die gezielt Krebs­zel­len angrei­fen kön­nen, eröff­net sich ein rich­tungs­wei­sen­der Ansatz in der Krebs­be­kämp­fung, der die Neben­wir­kun­gen der Behand­lung dras­tisch redu­ziert. Das IOZK hat die Geneh­mi­gung erhal­ten, Kom­bi­na­ti­ons­stof­fe zu ent­wi­ckeln, die mit bestimm­ten Viren ver­setzt wer­den. Die Impf­stof­fe drin­gen in die Tumor­zel­len ein und ver­än­dern die­se. Noch ist die­se The­ra­pie­form kein Behand­lungs­stan­dard, wird aber als indi­vi­du­el­le Behand­lungs­me­tho­de für Selbst­zah­ler bereits zur Ver­fü­gung gestellt. In den Labor­räu­men wer­den mensch­li­che Zel­len in spe­zi­el­len Nähr­flüs­sig­kei­ten und bei Kör­per­tem­pe­ra­tur zum Wach­sen gebracht. Frem­de Par­ti­kel als Stör­fak­to­ren und jeg­li­che Keim­be­las­tung muss hier­bei aus­ge­schlos­sen wer­den. Die Pro­duk­ti­on der pati­en­ten­ei­ge­nen Impf­stof­fe erfolgt daher in einem ste­ri­len Rein­raum­la­bor der Mar­ke CleanS­te­ri­Cell, das den Anfor­de­run­gen der GMP Rein­raum­klas­se B ent­spricht.

Tobi­as Geef erläu­tert die Not­wen­dig­keit der neu­en Inves­ti­ti­on: „Das IOZK ver­fügt über meh­re­re Labo­ra­to­ri­en für For­schung, Dia­gnos­tik und Her­stel­lung. Für die Pro­duk­ti­on der pati­en­ten­ei­ge­nen Impf­stof­fe müs­sen wir die Anfor­de­run­gen der phar­ma­zeu­ti­schen Her­stel­lung und die Vor­ga­ben des Arz­nei­mit­tel­ge­set­zes ein­hal­ten. Wir haben jetzt in ein ganz neu­es Her­stel­lungs­la­bor mit Rein­raum­tech­nik inves­tiert. Das Rein­raum­sys­tem erfüllt die Rein­raum­klas­se GMP B, ist ener­gie­ef­fi­zi­ent und auf dem neu­es­ten Stand der Tech­nik, das war uns wich­tig“

Modernes, energieeffizientes Reinraumsystem

Das Rein­raum­la­bor wur­de von Schil­ling Engi­nee­ring geplant und auf­ge­baut. Eine beson­de­re Her­aus­for­de­rung ergab sich durch die ein­ge­schränk­ten räum­li­chen Ver­hält­nis­se und die nied­ri­ge Decken­hö­he im Bestands­ge­bäu­de. Die 100 qm Rein­raum wur­den genau auf die­se räum­li­chen Bege­ben­hei­ten zuge­schnit­ten und ent­spre­chen­de Kanal­füh­run­gen für die Kli­ma­tech­nik geplant. Mit über 120 Luft­wech­seln pro Stun­de wird die Ver­sor­gung der rei­nen Berei­che und Arbeits­plät­ze mit Reinst­luft nach dem Prin­zip der Tur­bu­lenz­ar­men Ver­drän­gungs­lüf­tung sicher­ge­stellt. Die Fil­te­rung erfolgt über in der Decke inte­grier­te Lami­n­ar­flow Ein­hei­ten, die mit ULPA15-Hoch­leis­tungs­fil­tern bestückt sind. Um die hohen Ener­gie­kos­ten, die der Betrieb eines Rein­raums ver­ur­sacht, zu redu­zie­ren, wird das Sys­tem von Schil­ling Engi­nee­ring mit einem beson­ders ener­gie­ef­fi­zi­en­ten Umluft­ver­fah­ren betrie­ben. Ein Groß­teil der aus dem Rein­raum abge­führ­ten Luft wird dabei inner­halb der Rein­raum­wän­de zir­ku­liert und über die Fil­ter­an­la­gen erneut in den Kreis­lauf ein­ge­bracht. Da die­se Luft bereits gekühlt und par­ti­kel­re­du­ziert ist, ent­fal­len hohe Kos­ten der Kli­ma­ti­sie­rung. Zudem set­zen die Fil­ter­ein­hei­ten lang­sa­mer zu und haben damit eine wesent­lich höhe­re Ein­satz­dau­er.

GMP Monitoring

In dem neu­en GMP Labor wur­den Arbeits­plät­ze für bis zu zehn Mit­ar­bei­ter ein­ge­rich­tet. Jeweils drei Per­so­nen- und Mate­ri­al­schleu­sen, die mit unter­schied­li­chen Luft­druck­stu­fen und Luft­wech­seln betrie­ben wer­den, gewähr­leis­ten die Rein­heit der Labor­an­la­ge bis auf GMP Klas­se B. Eine Beson­der­heit des Rein­raum­la­bors ist das inte­grier­te GMP-kon­for­me Moni­to­ring. Par­ti­kel­an­zahl, Tem­pe­ra­tur, Luft­feuch­tig­keit und Luft­druck wer­den per­ma­nent über­wacht und für das erfor­der­li­che Moni­to­ring auf­ge­zeich­net. Als Kon­troll­sys­tem für den Rein­raum und die Kli­ma­tech­nik dient das bedie­ner­freund­li­che CR Con­trol, mit dem alle Soll­wer­te inklu­si­ve der Kli­ma­tech­nik gere­gelt und über­wacht wer­den und das über einen zen­tra­len Touch­screen und auch mobil gesteu­ert wird.
Das Rein­raum­sys­tem CleanS­te­ri­Cell ist modu­lar auf­ge­baut und kann dank eines paten­tier­ten sili­kon­frei­en GMP Dicht-Clip-Sys­tems fle­xi­bel erwei­tert und umge­baut wer­den.

GMP-kon­for­me LED Licht­leis­ten sor­gen für eine ange­neh­me und ener­gie­spa­ren­de Beleuch­tung, die zudem eine sehr hohe Lebens­dau­er haben. Das Rein­raum­la­bor wur­de von Schil­ling Engi­nee­ring nach den GMP Vor­schrif­ten qua­li­fi­ziert und betriebs­be­reit über­ge­ben. Tobi­as Geef ist sehr froh über die Unter­stüt­zung der Rein­raum­ex­per­ten: „Die Qua­li­fi­zie­rung des GMP Rein­raums ver­lief ohne Pro­ble­me. Es sind hier wirk­lich vie­le Vor­schrif­ten ein­zu­hal­ten, aber da hat uns unser Rein­raum­lie­fe­rant alles gut vor­be­rei­tet oder abge­nom­men. Wir sind jetzt gera­de in Pro­duk­ti­on gegan­gen und sehr zufrie­den mit den Abläu­fen. Ein gro­ßes Plus ist, dass uns Schil­ling Engi­nee­ring ein Kom­plett­pa­ket für das Rein­raum­la­bor anbie­ten konn­te. Neben der eigent­li­chen Rein­raum- und Kli­ma­tech­nik, wur­den uns z.B. ein GMP-kon­for­mes Moni­to­ring Sys­tem, das über­sicht­li­che Steue­rungs­sys­tem und die gesam­te Möblie­rung gelie­fert. Jetzt haben wir einen zen­tra­len Ansprech­part­ner, auch für künf­ti­ge War­tun­gen.“