Wer über Luftreinheit im pharmazeutischen Reinraum spricht, denkt zunächst an Partikel und Mikroorganismen. Doch Luft kann Stoffe transportieren, die sich mit einem klassischen Partikelfilter nicht ohne Weiteres beherrschen lassen: gasförmige und molekulare Verunreinigungen.
Dazu gehören beispielsweise Stickstoffdioxid, Ozon, Schwefeldioxid, Ammoniak, Formaldehyd und verschiedene flüchtige organische Verbindungen. Sie können über die Außenluft in ein Gebäude gelangen, innerhalb eines Prozesses entstehen oder bei chemischen und dekontaminierenden Verfahren freigesetzt werden.
Damit entsteht eine zusätzliche Aufgabe für die Lufttechnik. Camfil greift dieses Thema aktuell unter dem Begriff Molecular Contamination Control auf. Ein dafür angebotenes Filtersystem ist GigaPleat, das für die Abscheidung luftgetragener molekularer Verunreinigungen in Reinraum Lüftungsanlagen und entsprechenden Gehäusen vorgesehen ist.
Das Funktionsprinzip unterscheidet sich von der klassischen Partikelfiltration. Partikelfilter halten feste oder flüssige Bestandteile der Luft über unterschiedliche physikalische Abscheidemechanismen zurück. Gasförmige Moleküle erfordern dagegen geeignete Adsorptionsmedien. Dabei werden die betreffenden Stoffe an der Oberfläche eines Filtermediums gebunden. Welche Medien geeignet sind, hängt unter anderem davon ab, welche Verbindungen entfernt werden sollen und in welcher Konzentration sie auftreten.
Für pharmazeutische Anwendungen kann das an mehreren Stellen relevant werden. Ein Beispiel ist die Außenluft. Befindet sich eine Produktionsstätte in einer Umgebung mit Industrie, starkem Verkehr oder anderen Emissionsquellen, können gasförmige Verbindungen über die Zuluft eingetragen werden. Die Partikelkonzentration kann dabei vollkommen unauffällig sein. Eine reine Partikelmessung beschreibt deshalb nicht automatisch sämtliche Eigenschaften der zugeführten Luft.
Eine zweite Fragestellung entsteht innerhalb der Produktion. Rohstoffe, Lösungsmittel oder Prozesschemikalien können Dämpfe und Gase freisetzen. Auch Dekontaminationsprozesse müssen bei der Betrachtung der Luftführung berücksichtigt werden. Je nach Anwendung geht es dabei sowohl um den Schutz des Produktes als auch um den Schutz von Personal, technischen Einrichtungen und Umwelt.
Aktuell besondere Aufmerksamkeit erhält außerdem Stickstoffdioxid. Im pharmazeutischen Umfeld wird die Kontrolle bestimmter gasförmiger Verbindungen unter anderem im Zusammenhang mit möglichen Reaktionswegen betrachtet, die zur Bildung unerwünschter Stoffe beitragen können. Welche Bedeutung dies für eine konkrete Produktion besitzt, muss jedoch prozessbezogen bewertet werden. Eine pauschale Aussage, dass jeder pharmazeutische Reinraum zusätzliche Molekularfiltration benötigt, wäre fachlich nicht gerechtfertigt. Genau darin liegt die planerische Herausforderung.
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Zunächst muss geklärt werden, welche molekularen Stoffe überhaupt auftreten können. Danach folgen Konzentration, Quelle, mögliche Auswirkungen und das erforderliche Schutzziel. Erst anschließend lässt sich entscheiden, ob eine zusätzliche Filterstufe sinnvoll ist und welches Adsorptionsmedium benötigt wird.
Auch der Zustand des Filters verdient Aufmerksamkeit. Ein Adsorptionsmedium besitzt keine unbegrenzte Aufnahmekapazität. Die Auslegung muss deshalb Betriebsbedingungen, Konzentrationen und erforderliche Standzeiten berücksichtigen. Analysen gebrauchter Medien können zusätzliche Informationen über den tatsächlichen Zustand liefern. Für Reinraumplaner erweitert sich damit der Blick auf die Luftqualität.
Partikelfrei bedeutet nicht automatisch frei von gasförmigen Verunreinigungen. Wer sensible pharmazeutische Prozesse schützen möchte, muss deshalb zuerst wissen, welche Stoffe in seiner Luft überhaupt eine Rolle spielen. Manche Kontamination lässt sich zählen. Andere muss man erst suchen.









