Eine Tür öffnet sich. Für wenige Sekunden entsteht eine Verbindung zwischen zwei Bereichen, die aus reinraumtechnischer Sicht eigentlich möglichst kontrolliert voneinander getrennt bleiben sollen. Was im normalen Industriegebäude ein alltäglicher Vorgang ist, kann im Reinraum Einfluss auf Luftströmung, Druckverhältnisse und den Eintrag von Partikeln haben. Deshalb ist ein Tor in einer pharmazeutischen Produktionsumgebung weit mehr als ein beweglicher Raumabschluss.
Wie stark solche Komponenten in das Gesamtkonzept einer Produktion eingebunden werden können, zeigt ein aktuelles Projekt bei Losan Pharma in Eschbach. Dort wurden in Materialschleusen, Schleusenkorridoren und Produktionsbereichen insgesamt 35 Reinraum Schnelllauftore von EFAFLEX installiert. Zum Einsatz kommen die Baureihen EFA SRT CR C und CR Premium.
Aus Sicht des Anlagenplaners sind vor allem drei Eigenschaften interessant:
Dichtheit, Geschwindigkeit und Integration.
Reinräume arbeiten häufig mit definierten Druckunterschieden zwischen benachbarten Bereichen. Diese Druckverhältnisse unterstützen die gewünschte Luftführung. Jede größere Öffnung beeinflusst dieses System zumindest vorübergehend. Je kürzer ein Tor geöffnet bleibt und je besser es im geschlossenen Zustand abdichtet, desto besser lassen sich unerwünschte Luftbewegungen begrenzen.
Die Geschwindigkeit eines Tores ist im Reinraum deshalb nicht lediglich eine Frage des Materialflusses.
Gleichzeitig muss die Konstruktion selbst zur hygienischen Umgebung passen. Glatte Flächen, möglichst wenige schwer zugängliche Bereiche und eine reinigungsgerechte Geometrie erleichtern die Einbindung in entsprechende Reinigungskonzepte. Bei der Anlage in Eschbach spielten deshalb unter anderem abgerundete Kanten, glatte Oberflächen und konstruktive Details zur Verringerung von Ablagerungsmöglichkeiten eine Rolle.
Hinzu kommt die Steuerungstechnik. Tore in modernen pharmazeutischen Anlagen werden längst nicht mehr ausschließlich über einen Taster geöffnet. Materialflüsse können automatisiert sein. Fördertechnik und fahrerlose Transportsysteme benötigen definierte Übergänge zwischen einzelnen Produktionsbereichen.
Im beschriebenen Projekt ist die Steuerung in die Torkonstruktion integriert. Über Schnittstellen lässt sie sich mit Fördertechnik und übergeordneten Steuerungen verbinden. Dadurch wird der Raumabschluss selbst zu einem Bestandteil des automatisierten Materialflusses.
Genau an dieser Stelle wird das Thema für Maschinenbauer interessant.
Wenn fahrerlose Transportfahrzeuge Materialien durch Schleusen bewegen, müssen mehrere Systeme miteinander kommunizieren. Das Fahrzeug muss erkannt werden. Die Freigabe muss vorliegen. Gegenseitige Verriegelungen müssen berücksichtigt werden. Das Tor darf erst öffnen, wenn die vorgesehenen Bedingungen erfüllt sind. Anschließend muss der Bereich wieder geschlossen werden, bevor gegebenenfalls der nächste Schleusenschritt freigegeben wird.
Aus einem Bauteil wird damit eine funktionale Komponente der Prozessautomation.
Auch Ausnahmesituationen gehören zur Konstruktion. Die eingesetzten Tore verfügen beispielsweise über eine mechanische Notöffnung. Für bestimmte Varianten ist außerdem eine unterbrechungsfreie Stromversorgung verfügbar. Solche Funktionen sind relevant, weil ein kontrollierter Zugang auch dann betrachtet werden muss, wenn Energieversorgung oder Automatisierung nicht im vorgesehenen Normalzustand arbeiten.
Für Planer folgt daraus eine einfache Konsequenz: Reinraumtore sollten frühzeitig in Luftführung, Schleusenkonzept, Materialfluss und Automatisierung einbezogen werden.
Denn im Reinraum entscheidet nicht nur die Wand darüber, wie zwei Bereiche voneinander getrennt sind. Entscheidend sind vor allem die Sekunden, in denen diese Trennung aufgehoben wird.









