Der Reinraum ist leer, die Produktion steht und trotzdem bewegt sich etwas durch den Raum. Ein mobiler Roboter fährt selbstständig definierte Messpunkte an, führt Messungen durch und dokumentiert die Ergebnisse. Was nach einem Zukunftsszenario klingt, wird derzeit als konkrete Anwendung für die pharmazeutische Produktion entwickelt.
Am 31. August 2026 stellte HEITEC mit H.U.G.S. EM eine mobile Roboterlösung vor, die das Environmental Monitoring in pharmazeutischen Reinräumen der Klassen B bis D autonom durchführen soll. Die Idee dahinter ist interessant, weil sie zwei bislang weitgehend getrennte Automatisierungsbereiche miteinander verbindet: mobile Robotik und Reinraumüberwachung.
Beim klassischen Environmental Monitoring muss Personal definierte Messpunkte aufsuchen und die vorgesehenen Probenahmen beziehungsweise Messungen durchführen. Das kostet Zeit und bringt bei jedem Zutritt einen Menschen in die kontrollierte Umgebung. Werden wiederkehrende Messaufgaben automatisiert, lässt sich zumindest ein Teil dieser Wege vermeiden.
Doch einen mobilen Roboter in einen pharmazeutischen Reinraum zu schicken ist deutlich anspruchsvoller als der Einsatz eines fahrerlosen Transportsystems in einem normalen Lager. Bereits die Konstruktion muss zur kontrollierten Umgebung passen. Materialien und Oberflächen müssen für die vorgesehenen Reinigungs und Desinfektionsverfahren geeignet sein. Die Partikelemission des Systems ist zu berücksichtigen. Bereiche, in denen sich Verunreinigungen ansammeln könnten, müssen konstruktiv möglichst vermieden werden.
Hinzu kommt die Reinigung. Ein Roboter besitzt Räder, Sensoren, Gehäuseübergänge und bewegliche Komponenten. Genau diese Bauteile stellen bei einer reinraumgerechten Konstruktion besondere Anforderungen. Der Hersteller nennt deshalb ausdrücklich eine validierbare Reinigung und die Verträglichkeit mit üblichen Desinfektionsmitteln als Entwicklungsanforderungen.
Die zweite Herausforderung ist die Navigation. In einer Produktionsumgebung verändert sich die Umgebung. Türen können geschlossen sein, Personen bewegen sich durch den Raum und mobile Ausrüstung kann an unterschiedlichen Positionen stehen. Das Fahrzeug muss seine Messpunkte trotzdem reproduzierbar erreichen und gleichzeitig sicher auf Hindernisse reagieren.
Für das Monitoring ist diese Wiederholbarkeit entscheidend. Schließlich soll nicht irgendwo im Raum gemessen werden, sondern an vorher definierten und qualifizierten Positionen. Damit wird die Positionierung des Roboters selbst Teil der Messkette. Auch die Integration der eigentlichen Messtechnik ist anspruchsvoll. Sensoren müssen so angeordnet werden, dass die Fahrt und der Betrieb des Roboters die Messung möglichst nicht beeinflussen. Gleichzeitig müssen Messwerte eindeutig dem jeweiligen Ort und Zeitpunkt zugeordnet werden.
Besonders interessant ist das Konzept für wiederkehrende Routinen. Ein autonomes System könnte festgelegte Messrouten reproduzierbar abfahren und Daten automatisiert bereitstellen. Das schafft Voraussetzungen für standardisierte Abläufe und reduziert manuelle Transport und Dokumentationsschritte. Doch die Technik ersetzt nicht automatisch die fachliche Bewertung. Wo gemessen wird, welche Parameter relevant sind und wie Ergebnisse beurteilt werden, bleibt Teil der Kontaminationskontrollstrategie des Betreibers.
Für Maschinenbauer eröffnet die mobile Reinraumrobotik trotzdem ein neues Feld. Wenn künftig nicht nur Material, sondern auch Messgeräte autonom durch Produktionsbereiche fahren, müssen Gebäude, Türen, Schleusen, Ladepunkte, Kommunikationsnetze und Automatisierung darauf vorbereitet sein.
Damit könnte sich auch die Planung des Reinraums verändern. Bisher wird Environmental Monitoring überwiegend als fest installierte oder vom Menschen ausgeführte Aufgabe betrachtet. Mobile Robotik fügt eine dritte Möglichkeit hinzu: Das Messgerät kommt selbstständig dorthin, wo die Messung stattfinden soll.
Vielleicht wird die Kontrollrunde im Reinraum künftig deshalb nicht mehr gelaufen. Sie wird programmiert.









