Produktionsdaten abrufen, Arbeitsanweisungen anzeigen, Barcodes erfassen oder einen Prozess dokumentieren: Was außerhalb kontrollierter Produktionsbereiche längst selbstverständlich ist, wird im Reinraum schnell zu einer konstruktiven Herausforderung. Denn ein handelsübliches mobiles Endgerät wurde nicht dafür entwickelt, regelmäßig gereinigt und desinfiziert oder mit Reinraumhandschuhen bedient zu werden.
Trotzdem steigt der Bedarf an mobilen Informationen direkt am Prozess.
Systec & Solutions hat dafür im August 2026 eine neue Ausführung seines Surface Pro 12 Reinraum Tablets vorgestellt. Das Konzept zeigt exemplarisch, wie sich klassische Informationstechnik an die Anforderungen pharmazeutischer Produktionsumgebungen anpassen lässt.
Entscheidend ist dabei weniger der Rechner im Inneren als seine Umgebung.
Bei mobilen Geräten entstehen aus Sicht der hygienegerechten Konstruktion zahlreiche Problemstellen. Gehäusefugen, Anschlüsse, Tasten, Lüftungsöffnungen und Vertiefungen können schwer zugänglich sein. Hinzu kommt die Frage, wie das Gerät geladen wird, wo es abgelegt werden kann und welche Oberflächen regelmäßig mit Reinigungs oder Desinfektionsmitteln in Kontakt kommen.
Reinraumgerechte Lösungen verlagern die konstruktive Aufmerksamkeit deshalb auf Gehäuse, Schnittstellen und Befestigung. Vergleichbare Geräte des Herstellers werden in geschlossenen Edelstahlgehäusen mit Schutzart IP65 ausgeführt. Die Oberflächen sollen gut zugänglich sein und die Bedienung ist auch mit Reinraumhandschuhen vorgesehen. Für die Energieversorgung stehen bündig integrierte Kontakte zur Verfügung.
Gerade der letzte Punkt ist interessanter, als er zunächst klingt. Mobile Geräte benötigen regelmäßig Energie. Jede Steckverbindung schafft jedoch potenziell eine zusätzliche geometrische Problemstelle. Eine reinraumgerechte Digitalisierung muss deshalb nicht nur beantworten, welche Software benötigt wird, sondern auch, wie die dazugehörige Hardware im täglichen Betrieb tatsächlich benutzt wird.
Ähnliches gilt für die Ergonomie. Ein Tablet ist mobil, wird aber während vieler Tätigkeiten an einem festen Arbeitsplatz benötigt. Wandhalterungen und Tragarmsysteme machen aus dem mobilen Gerät deshalb zeitweise ein Bediengerät. Im August wurde ergänzend ein höhenverstellbarer Tragarm mit stufenloser Höhenverstellung und einem Schwenkbereich von bis zu 350 Grad vorgestellt.
Damit treffen zwei Entwicklungen aufeinander: Produktionsinformationen werden mobiler, gleichzeitig muss die Hardware stärker in die Gestaltung des Arbeitsplatzes integriert werden.
Für Anlagenplaner entsteht daraus eine neue Schnittstelle zwischen Maschine, Gebäude und Informationstechnik. Wo werden Daten benötigt? Welche Geräte dürfen in welche Bereiche eingebracht werden? Wie werden sie gereinigt? Wie erfolgt die Energieversorgung? Wo werden sie positioniert, wenn der Bediener beide Hände für einen Prozessschritt benötigt?
Diese Fragen sollten möglichst nicht erst beantwortet werden, wenn die Produktionsanlage bereits steht.
Hinzu kommt die Dokumentation. Kameras und Lesefunktionen ermöglichen es beispielsweise, Codes direkt im Produktionsbereich zu erfassen oder Zustände bildlich zu dokumentieren. Damit kann das mobile Gerät Teil eines weitgehend papierlosen Arbeitsablaufs werden. Voraussetzung dafür ist selbstverständlich, dass die jeweilige Anwendung in die betrieblichen Vorgaben und die erforderliche Datenintegrität eingebunden wird.
Die Digitalisierung des Reinraums entscheidet sich deshalb nicht allein im Rechenzentrum. Sie entscheidet sich auch an Oberflächen, Halterungen, Schnittstellen und Bedienkonzepten.
Denn digitale Informationen sind im Reinraum erst dann wirklich mobil, wenn auch die Hardware den Anforderungen des Produktionsbereichs folgen kann.









