Ein Partikelzähler kann präzise arbeiten und trotzdem Werte liefern, die nicht vollständig dem tatsächlichen Zustand am Messpunkt entsprechen. Der Grund dafür kann zwischen Messstelle und Messgerät liegen: in einem unscheinbaren Stück Schlauch.
Wie groß dieser Einfluss werden kann, zeigt eine im Juli 2026 veröffentlichte Untersuchung von Beckman Coulter Life Sciences gemeinsam mit Pharmagraph. Untersucht wurde, wie Schlauchlänge, Schlauchdurchmesser und Leitungsführung den Transport luftgetragener Partikel zum Messgerät beeinflussen. Zum Einsatz kamen unterschiedliche Konfigurationen der MET ONE Partikelzähler mit Schlauchlängen zwischen 0,5 und drei Metern.
Das Ergebnis ist für Planer von Monitoring Systemen bemerkenswert.
Bei Partikeln mit einer Größe von 0,5 Mikrometern zeigten die untersuchten Schlauchkonfigurationen nur vergleichsweise geringe Auswirkungen. Die mittlere relative Zähleffizienz lag in den Versuchen zwischen 92 und 98 Prozent. Bei Partikeln mit 5,0 Mikrometern sah die Situation bei einer der untersuchten Gerätekonfigurationen deutlich anders aus.
Mit zunehmender Schlauchlänge und zusätzlichen Bögen nahm dort die gemessene Partikelzahl erheblich ab. Bei zwei Metern gerader Leitung lag die durchschnittliche Zähleffizienz bei 76 Prozent. Bei drei Metern gerader Leitung wurden 37 Prozent ermittelt. Bei drei Meter langen Konfigurationen mit Bögen lagen die Werte in dieser Versuchsanordnung nur noch zwischen 16 und 21 Prozent.
Das bedeutet nicht, dass lange Messleitungen grundsätzlich ungeeignet sind. Die Ergebnisse beziehen sich auf definierte Geräte, Durchmesser, Volumenströme und Leitungsanordnungen. Sie zeigen jedoch eindrucksvoll, weshalb die Probenahme nicht unabhängig vom eigentlichen Messgerät betrachtet werden darf.
Größere Partikel reagieren stärker auf die physikalischen Bedingungen innerhalb der Leitung. Sedimentation, Trägheit und Richtungsänderungen können dazu führen, dass Partikel auf dem Weg zum Sensor verloren gehen. Der Partikelzähler misst dann korrekt das, was bei ihm ankommt. Genau diese Luftprobe kann sich aber bereits von derjenigen am eigentlichen Probenahmepunkt unterscheiden.
Für Konstrukteure entsteht daraus eine klare Aufgabe: Die Position des Messgerätes und die Führung der Probenleitung sollten möglichst früh in die Anlagenplanung einbezogen werden. Monitoring darf nicht erst am Ende eines Projektes als zusätzliche Installation betrachtet werden, für die irgendwo noch Leitungswege geschaffen werden müssen.
Besonders kritisch können unnötig lange Strecken, enge Richtungsänderungen und ungünstige vertikale Leitungsführungen sein. Die Untersuchung verweist in diesem Zusammenhang auch auf ISO 14644 Teil 21. Danach verdienen Leitungen von mehr als einem Meter bei der Messung größerer Partikel besondere Aufmerksamkeit und sollten hinsichtlich möglicher Partikelverluste bewertet werden.
Interessant ist außerdem der Vergleich unterschiedlicher Messkonfigurationen. Bei einem größeren Schlauchinnendurchmesser von 9,5 Millimetern und höheren Volumenströmen waren die durchschnittlichen Verluste in den untersuchten Anordnungen deutlich geringer. Auch dies zeigt: Nicht die Schlauchlänge allein entscheidet über die Messqualität.
Damit wird aus einem vermeintlichen Detail der Installation eine Frage der Datenqualität.
Für Betreiber ist das besonders relevant, weil Entscheidungen über den Zustand eines Reinraumes auf diesen Daten beruhen. Alarmgrenzen, Trendanalysen und Bewertungen von Abweichungen können nur so belastbar sein wie die Messkette, die die Daten erzeugt.
Die wichtigste Messstelle eines Partikelzählers liegt deshalb möglicherweise nicht im Gerät. Sie beginnt bereits dort, wo die Luft in das Probenahmesystem eintritt.









