Je weniger der Mensch in einen aseptischen Prozess eingreifen muss, desto kleiner wird eine der wichtigsten möglichen Kontaminationsquellen. Dieser zunächst einfache Gedanke verändert derzeit die Konstruktion moderner Abfüllanlagen. Denn die Frage lautet nicht mehr nur, wie sich ein manueller Eingriff sicher durchführen lässt. Sie lautet zunehmend: Warum ist dieser Eingriff überhaupt noch notwendig?
Genau hier setzt eine neue Generation hochautomatisierter Abfülltechnik an. Bei Syntegon werden in der Anlage SynTiso ein handschuhloser Isolator, Robotik, automatisierte Prozessschritte und ein berührungsloser Transport der Behältnisse miteinander verbunden. Nach Herstellerangaben verarbeitet die Anlage bis zu 600 Behältnisse pro Minute. Vorgesehen ist sie für vorsterilisierte Spritzen, Vials und Karpulen. Die Prozesskontrolle erfolgt dabei zu 100 Prozent innerhalb der Linie.
Für Anlagenplaner ist allerdings weniger die maximale Geschwindigkeit interessant als das dahinterstehende Maschinenkonzept. Klassische aseptische Abfülllinien benötigen trotz Barrieretechnik weiterhin Eingriffe des Bedienpersonals. Behältnisse müssen gehandhabt, Einstellungen vorgenommen, Komponenten eingebracht oder Kontrollen durchgeführt werden. Jeder dieser Vorgänge muss betrachtet, bewertet und in die Kontaminationskontrollstrategie eingebunden werden.
Wer solche Tätigkeiten automatisiert, verändert deshalb nicht nur den Maschinenablauf. Er verändert die gesamte Risikobetrachtung des aseptischen Prozesses.
Das beginnt bereits beim Transport. Behältnisse sollen möglichst kontrolliert durch die Anlage bewegt werden, ohne unnötige Berührungen und ohne zusätzliche Partikel zu erzeugen. Gleichzeitig müssen Füllen, Verschließen, Kontrollieren und Ausschleusen so miteinander verbunden werden, dass der geschützte Prozessbereich möglichst wenig geöffnet oder durch manuelle Tätigkeiten beeinflusst wird.
Damit steigen allerdings die Anforderungen an die Konstruktion. Was vorher ein Bediener erledigen konnte, muss nun durch Mechanik, Sensorik, Robotik und Steuerungstechnik zuverlässig beherrscht werden. Ein automatisierter Prozess benötigt eindeutige Zustände. Positionen müssen erkannt, Abweichungen festgestellt und Fehler möglichst behoben werden, ohne dass dafür unmittelbar ein Bediener in den kritischen Bereich eingreifen muss.
Genau darin liegt eine der entscheidenden Herausforderungen handschuhloser Konzepte. Das Entfernen eines Handschuhanschlusses allein macht eine Anlage noch nicht automatisch sicherer. Entscheidend ist, ob die Maschine so konstruiert wurde, dass die bislang notwendigen manuellen Tätigkeiten technisch ersetzt werden können.
Auch der Formatwechsel rückt dadurch stärker in den Mittelpunkt. Pharmazeutische Produktionsanlagen müssen heute häufig unterschiedliche Behältnisse und Formate verarbeiten. Automatisierung darf deshalb nicht dazu führen, dass jeder Produktwechsel einen umfangreichen mechanischen Umbau erforderlich macht. Der Hersteller setzt hierfür unter anderem auf automatisierte Funktionen beim aseptischen Einrichten der Anlage.
Für den Maschinenbau bedeutet diese Entwicklung einen Perspektivwechsel. Hygienegerechte Konstruktion beschränkt sich nicht länger auf geeignete Werkstoffe, glatte Oberflächen, gute Reinigbarkeit und eine kontrollierte Luftführung. Zunehmend gehört auch die Frage dazu, welche Bedienhandlungen durch die Konstruktion vollständig vermieden werden können.
Das könnte die nächste Entwicklungsstufe aseptischer Abfülltechnik prägen: Der Reinraum wird nicht sicherer, weil der Mensch immer aufwendiger geschützt in den Prozess eingreift. Er wird sicherer, wenn die Anlage so konstruiert ist, dass bestimmte Eingriffe gar nicht mehr erforderlich sind.










